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Bremervörder Zeitung vom 4. Mai 2005

Von Corvin Borgardt

Rückkehr an den Ort des Grauens

Angehörige und ehemalige Lagerinsassen aus den Niederlanden besuchen ehemaliges Stalag X B

   
 

Dr. Klaus Volland informierte die rund 160 niederländischen Gäste über die Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. Auf einem Feldweg verdeutlichte er die damalige Dimension des Geländes. Allein die Lagerstraße war 700 Meter lang. Fotos: C. Borgardt (2)

 

 

Sandbostel. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebt zurzeit allerorten die Erinnerung an die Katastrophe wieder auf - so auch auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Stalag X B in Sandbostel. Am Montag waren rund 160 Niederländer auf dem Lagergel- ände auf Spurensuche.

Die Besucher, größtenteils Angehörige ehemaliger Lagerinsassen aber auch einige Ex-Gefangene selbst, besichtigten die Überreste des ehemaligen Lagers. Dr. Klaus Volland und Karl-Heinz Buck vom Gedenkstättenverein führten die Gruppe und gaben Informationen über die Geschichte des Lagers und die Haftbedingungen der Gefangenen. „Bei den Lagerbaracken handelt es sich um ein einmaliges noch erhaltenes Ensemble aus der Kriegszeit", erläuterte Dr. Klaus Volland. Doch seitdem der Komplex seit 1992 unter Denkmalschutz steht, verfielen die hölzernen Gebäude mehr und mehr. Die niederländischen Besucher, Angehörige der „Amicale KZ Neuengamme", zeigten sich erschüttert von den Schilderungen Vollands. „Vor genau 60 Jahren ist mein Vater in Sandbostel gestorben - nach der Befreiung an den Folgen der Haft. Ich will wissen, wo er hier gelitten hat", schilderte eine Besucherin ihre Intention für die Fahrt ins ehemalige Lager.

An den Ort seines Leidens kehrte am Montag auch ein ehemaliger russischer Kriegsgefangener zurück. Der 84-jährige Sergej Litvin kam an die Stelle zurück, an der er die schlimmste Zeit seines Lebens verbrachte. Bei der Schlacht um Leningrad geriet der damals 20-Jährige in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde nach Sandbostel verschleppt. Gemeinsam mit Dr. Klaus Volland versuchte er sich anhand alter Lagepläne auf dem Gelände zu orientieren - was ihm jedoch nach 60 Jahren schwer fiel. An das noch heute erhaltenen Küchengebäude konnte sich Sergej Litvin jedoch genau erinnern. Vor diesem Gebäude wurde er während seiner Gefangenschaft in Sandbostel fotografiert - beim Warten auf das Essen.

 
     
 

Der 84-jährige Sergej Litvin, der von 1941 bis zur Befreiung des Lagers am 29. April 1945 in Sandbostel inhaftiert war, versuchte sich mit Hilfe von Klaus Volland einen Überblick über die Überreste des Lagers zu verschaffen.

 
Dieses Foto aus dem Buch „ Stalag X B Sandbostel" von Klaus Volland und Werner Borgsen zeigt Sergej Litvin (vorn) mit anderen russischen Gefangenen vor dem Küchengebäude.
 

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