Neue Funde
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Bremervörder Anzeiger 15. Februar 2006

Archäologische Fundstücke erzählen Geschichte

 
Ausstellung zeigt neue Funde zum Lager Sandbostel
 
 

Bremervörde (dr). Unter dem Titel „Neue Funde zur Geschichte des Lagers Sandbostel: Fotos, Pläne, Grabungsfunde“ wurde in der Dokumentationsstätte Sandbostel in Bremervörde, Großer Platz 4, eine Ausstellung eröffnet. Zum Auftakt der Ausstellung erschienen zahlreiche interessierte Besucher, sodass der Platz in der Dokumentationsstätte recht knapp wurde.

In seiner Begrüßungsrede dankte Dr. Klaus Volland, Leiter der Dokumentationsstätte, den Mitwirkenden. In jüngster Zeit seien dem Gedenkstättenverein zahlreiche neue Fundstücke zur Geschichte des Lagers Sandbstel zugetragen worden oder wurden aktiv durch die Internetrecherche und durch archäologische Bodenfunde erschlossen. Diese Fundstücke wolle man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, auch wenn die räumlichen Gegebenheiten in der Dokumentationsstätte sehr beengt seien. „Hoffentlich“, so Dr. Klaus Volland, „ist der Tag nicht fern, an dem wir all diese Schätze und noch viel mehr in dem modernen, geräumigen Dokumentationszentrum der Stiftung Lager Sandbostel auf dem historischen Lagergelände präsentieren können.“

Derzeit sind von knapp 2.000 Grabungsfunden circa 100 Exponate ausgestellt. Es handelt sich dabei um Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, wie Schuhe, Geschirr oder Besteck. Außerdem geben Lagerpläne und Fotos weitere Einblicke in die Geschichte des Lagers Sandbostel. „Das, was uns Zeitzeugen jetzt nicht mehr erzählen können, erzählen uns die Fundstücke“, meinte Karl-Heinz Buck von der Arbeitsgruppe „Spurensuche" zu der Frage, warum sich die Archäologie mit der NS-Zeit beschäftigt. Leider gebe es immer weniger Zeitzeugen, sodass man immer mehr auf die Archäologie angewiesen sei. Die Ausgrabungen wurden unter der wissenschaftlichen Leitung von Dietrich Alsdorf durchgeführt. Johann Gerken, Bürgermeister der Gemeinde Sandbostel, sprach ein Grußwort an die Ausstellungsbesucher. Er bedankte sich bei dem Verein für die Aufarbeitung dieses grausamen Kapitels der Geschichte. Gleichzeitig habe er auch Verständnis, dass manche ältere Menschen nichts davon hören wollten, denn „zu grausam war die Zeit.“ Heute seien die Reste des Lagers einzigartige Geschichtsdokumente.

Der Gedenkstättenverein versuche die Fragen, die von den nachfolgenden Generationen gestellt werden, zu beantworten. Auch aus dem Ausland werde großes Interesse bekundet, dem man nachgehen müsse. „Es fehlt an Geld, aber nicht an gutem Willen“, erklärte Johann Gerken. Demnächst wolle man versuchen an EU-Mittel heran- ukommen. Der Bürgermeister von Sandbostel äußerte eben­ falls einige kritische Worte. So müsse der Gemeinderat von Sandbostel allen Gemeindemitgliedern gerecht werden, auch denjenigen die in schweren Zeiten auf dem Lagergelände Gewerbe angesiedelt hätten und nun nicht einfach wegziehen möchten. Man müsse versuchen „alle Seiten zufrieden zu stellen“. Damit richtete Johann Gerken auch einen Appell an die Presse. Seiner Meinung nach habe es große Fortschritte hinsichtlich einer Einigung gegeben, nachdem sich die Presse mit ihrer Berichterstattung zurückgehalten habe. Grußworte im Namen der Stadt Bremervörde übermittelte der stellvertretende Bürgermeister Ralf Hube. Er übergab dem Leiter der Dokumentationsstätte zwei Bilder, die ein Bremervörder Bürger von einem französischen Kriegsgefangenen erhalten hatte. Die Hintergründe zu der Herkunft der Gemälde müs­ sen noch geklärt werden. Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar zu sehen jeweils montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Wei­ tere Termine am Vormittag werden nach Vereinbarung vergeben. Eine Verlängerung der Ausstellung ist bei Bedarf möglich. Der Eintritt ist frei. Telefonisch kann unter der Nummer 04761/746858 Kontakt aufgenommen werden.

 

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