Ein Verein definiert sich neu
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Bremervörder Zeitung 26. Januar 2010
 
 

Workshop bei Daub: Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel will Kernkompetenzen neu festsetzen

 
  Klaus Möller (von links), Dr. Helge Matthiesen und Dr. Klaus Volland.  
 
Für den Verein „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel“ gibt es auch künftig Arbeit genug: Die Workshop-Teilnehmer Klaus Möller (von links), Dr. Helge Matthiesen (Mitte) und Dr. Klaus Volland. Foto: mg
 
 
Bremervörde/Sandbostel. Der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel hat seine Aufgaben neu definiert. In einem Workshop haben sich Vorstand und Mitglieder am Sonnabend darüber verständigt, wegen der bedeutsamen Veränderungen im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag X B in Sandbostel ihre Ziele neu auszurichten. Der 1992 gegründete Verein versteht sich künftig als eine Institution, die in einem „schlankeren, jedoch  anspruchsvollen Programm“ Aufgaben konkretisieren, Kernkompetenzen festsetzen und damit die Arbeit der Stiftung nachhaltig unterstützen will. Von Harm Zimmering
 
 

„Der Dokumentationsverein ist fester Bestandteil der Stiftung und muss seine Ziele jetzt neu ausrichten“, sagte Dr. Helge Matthiesen. Der aus Nieder Ochtenhausen stammende Journalist ist Mitglied der Chefredaktion des „Weser-Kurier“ und übernahm am Sonnabend die Moderation des Workshops im Hotel Daub.    

Das Einbringen wissenschaftlicher Arbeiten in Form von zum Beispiel Tagungen und Ausstellungen stellten neben der Betreuung von ehemaligen Lagerinsassen und deren Angehöriger bei Besuchen inhaltlich neue Anforderungen dar, sagte Matthiesen und lieferte damit erste Ansätze für eine ausführliche Diskussion über eine Neuorientierung des Gedenkstättenvereins.

Zuvor bezeichnete Dr. Klaus Volland die Arbeit des Vereins als „Erfolgsgeschichte“. Angeregt vom Ministerium für Bundesangelegenheiten habe er 1992 den Verein gemeinsam mit Werner Borgsen und Luer Schlesselmann gegründet. Volland leitet den Verein seit dem Tod des Vorsitzenden Dr. Dietmar Kohlrausch kommissarisch. „Der Verein kann durchaus auf Erfolge zurück blicken“, sagte Dr. Volland. Mit der Errichtung einer Dokumentationsstätte auf dem historischen Lagergelände in Sandbostel sei das zentrale Ziel erreicht worden.

Der pensionierte Pädagoge erinnerte an erste Kontaktaufnahmen zu ehemaligen Häftlingen, an die provisorische Errichtung einer Gedenkstätte am Großen Platz in Bremervörde und an erste Kundgebungen und Tagungen, auf denen Wissenschaftler aus ganz Deutschland referiert hätten. Aber es habe auch Zeiten der Resignation gegeben, sagte Klaus Volland.

Ein Meilenstein in der Entwicklung sei das erfolgreiche Bemühen des ehemaligen Superintendenten Hans-Wilhelm Hastedt und des Regierungsschuldirektors i. R. Horst Rademacher gewesen, denen es als Moderatoren gelungen sei, entgegen vieler Widerstände alle Beteiligen an einen Tisch zu bringen und eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Daraufhin sei 2004 die Stiftung Lager Sandbostel gegründet worden, die inzwischen eine professionelle Gedenkstättenarbeit verrichte.

Nachdem Klaus Möller als Vorstandsmitglied des Freundeskreises der KZ-Gedenkstätte Neuengamme über die Arbeiten der Einrichtung in der Nähe von Hamburg referiert hatte, wurden sich die Mitglieder des Workshops schnell darüber einig, dass der hiesige Verein als wichtiger Bestandteil der Stiftung Lager Sandbostel zu sehen sei, der künftig eigene Ideen entwickeln und dann einbringen soll. Obwohl er inzwischen auch als Förderverein finanzielle Mittel für die Stiftung einwerbe, soll er sich dagegen keineswegs als reiner „Geldeintreiber“ verstehen. Vielmehr kann man sich vorstellen, mit der Förderung internationaler Begegnungen und kultureller Veranstaltungen, mit Kontaktpflege zu anderen Gedenkstätten und mit intensiver Gästebetreuung die Arbeit der Stiftung zu unterstützen.

Karl-Heinz Buck bekräftigte das Ansinnen der Workshopteilnehmer. Buck ist Mitglied des Gedenkstättenvereins und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Die Stiftung habe mehrere Träger, jedoch viel zu wenig Mitarbeiter, bemängelte Buck.

Zum 65. Jahrestag der Befreiung des Lagers Sandbostel durch britische Truppen am 29. April plane man die Einladung von zehn ehemaligen Internierten, die vier Tage in Sandbostel verweilen sollen. Karl-Heinz Buck: „Es wäre zum Beispiel schön, wenn jemand diese Gäste intensiv betreuen könnte.“ Über die Relevanz des Vereins ließ der Vorstandsvorsitzende erst gar keinen Zweifel aufkommen: „Ohne ihn wäre unsere Arbeit gar nicht möglich gewesen“, sagte Buck.

Helge Matthiesen fasste mögliche Aufgaben der Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel für die Zukunft zusammen: Man solle zunächst sowohl interne als auch externe Werbung neuer Mitglieder unter Nutzung der neuen Medien betreiben und künftige Mitstreiter für aktive Mitarbeit motivieren. Im Hinblick auf die Ausgestaltung einer entsprechenden Halle auf dem Lagergelände solle man über eine Planung kultureller Veranstaltungen nachdenken. Vorstellbar sei auch die Begleitung der Stiftungsprojekte mit wissenschaftlichen Arbeiten. Nicht zuletzt könnten Geschichtslehrer für die Nutzung der Gedenkstätte interessiert werden.

Eine geeignete Maßnahme zur Förderung der Identifikation mit dem Verein schlug Dr. Johannes Klotz vor: Zum anstehenden 20-jährigen Bestehen des Gedenkstättenvereins könne man eine Broschüre entwerfen und die Mitglieder an deren Gestaltung mitwirken lassen. Neben einer Kooperation mit Heimatvereinen sollen außerdem letzte Zeitzeugen gesucht werden, die aus eigener Erfahrung über das Leben im Stalag X B in Sandbostel berichten können. Arbeit gibt es also genug. Auf der Jahreshauptversammlung im März sollen den Mitgliedern das neue Konzept des Vereins vorgestellt, der Vorstand komplettiert und neue Verantwortung klar verteilt werden.

 

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