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(bz). Das Pfarrheim der Katholischen Kirchengemeinde Bremervörde war am Mittwoch wieder einmal Schauplatz einer gut besuchten historischpolitischen Veranstaltung, die der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel zusammen mit dem Bremer Donat-Verlag organisiert hatte. Der Bremerhavener Historiker Lothar Wieland stellte sein kürzlich erschienenes Buch über den heute weithin vergessenen SPD-Politiker Heinrich Ströbel (1869-1944) vor.
In seinem Grußwort verglich Diakon Bernhard Wiegand den Historiker mit einem Seelsorger, der einen Menschen auf dem letzten Weg begleitet: Beide dächten nach über das Leben und die besondere Bedeutung eines Menschen. Ähnlich sah Klaus Volland einen Bezug zur Erinnerungsarbeit in Sandbostel: Heinrich Ströbel wäre sicher unter den ersten gewesen, die die Nazis 1933 verhafteten, wäre er nicht Ende 1931 schon in die Schweiz emigriert.
Bremens Ex-Bürgermeister Hans Koschnick, der auch das Vorwort zu Wielands Buch geschriebenhat, würdigte Heinrich Ströbel als eine große Persönlichkeit der SPD in den Jahren zwischen 1900 und 1930, die aber immer wieder und schließlich ganz in eine Außenseiterolle geriet. Ströbels fortwährender Kampf gegen den Einsatz aggressiver militärischer Macht und nationalistische Bestrebungen könne auch heutzutage als Leitbild einer verantwortlichen Friedenspolitik dienen.
Lothar Wieland arbeitete in seinem Vortrag, den Lorenz Tews und Verleger Helmut Donat durch die Rezitation von Originaltexten Heinrich Ströbels ergänzten, die wichtigsten Stationen seines politischen Engagements heraus. Ströbel wandte sich 1914 gegen die Bewilligung der Kriegskredite durch den Reichstag, lehnte 1918 das Bündnis Eberts mit dem kaiserlichen Militär ab und kritisierte in den Weimarer Jahren die wachsende Toleranz der SPD gegenüber den revanchistischen bürgerlichen Kräften und ihre Zustimmung zur beginnenden Wiederaufrüstung. Ebenso lehnte er die Auffassung der SPD-Führung, die 1929 beginnende Weltwirtschaftskrise im Wesentlichen nur auszusitzen, ab und setzte sich verstärkt für eine aktive Sozialpolitik ein. Als er seine Bemühungen in Deutschland scheitern sah, ging er ins Schweizer Exil und rief seit 1936 dazu auf, Churchills Politik einer militärischen Eindämmung Hitler-Deutschlands zu unterstützen. |
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