Geächtet, verfolgt, ermordet

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Bremervörder Zeitung 30. Juni 2010
 
 

Geächtet, verfolgt, ermordet

 
 

Gedenktafel am Rathaus soll an die Bremervörder Juden erinnern- Initiative hofft auf Spenden

 
  Vorgestellt wurde das Projekt von Dr. Klaus Volland (von links), Rolf Hüchting (Grüne), Hans-Klaus Genter-Mickley (SPD), Frank Pingel (CDU), Detlev Fischer (Stadtverwaltung) und Dr. Johannes Klotz (Wählergruppe). Foto: Klöfkorn  
 

An dieser Rathauswand soll am 9. November die Gedenktafel für die Bremervörder Juden angebracht werden. Vorgestellt wurde das Projekt von Dr. Klaus Volland (von links), Rolf Hüchting (Grüne), Hans-Klaus Genter-Mickley (SPD), Frank Pingel (CDU), Detlev Fischer (Stadtverwaltung) und Dr. Johannes Klotz (Wählergruppe). Foto: Klöfkorn

 
 

Bremervörde. 65 Jahre nach Kriegsende und 72 Jahre nach der so genannten Reichspogrommnacht soll in Bremervörde eine Gedenktafel für die ehemaligen jüdischen Mitbürger angebracht werden. Einer entsprechenden Initiative haben die Ratsfraktionen zugestimmt. Als Standort für die Gedenktafel ist eine Wand des Rathauses ausgewählt worden. Von Rainer Klöfkorn

Über 150 Jahren und bis in die 1940er Jahre hinein lebten etliche jüdische Familien in Bremervörde. Sie waren angesehen und setzten sich auch politisch für die Weiterentwicklung der Stadt ein. Bekannt sind Namen wie Adler, Leeser, Leopold oder Heyn, in deren Haus in der Alten Straße sich die 1938 zerstörte Synagoge befand. Sichtbare Spuren ihres Lebens und Wirkens finden sich bislang nicht in der Stadt, abgesehen vom jüdischen Friedhof an der Waldstraße.
Nachdem schon über Jahre immer wieder Überlegungen angestimmt wurden, in welcher Form an die jüdischen Opfer der verbrecherischen NS-Politik erinnert werden sollte. Jetzt ist endlich eine passende Form gefunden worden, die maßgeblich von Sylke Schumann – Studentin der Potsdamer Universität – initiiert wurde. Die gebürtige Bremervörderin und Judaistin steht für das Projekt „Jüdisches Leben in Zeven und Bremervörde“, das unter anderem die Rekonstruktion des 1938 öffentlich verbrannten Betsaals der jüdischen Gemeinde Zeven vorsieht.
In Bremervörde stieß die Initiative auf Unterstützung des Vereins Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel. Zentrale Quelle ist die Arbeit von Dr. Elfriede Bachmann über die jüdischen Familien in Bremervörde. Die für die Gedenktafel ermittelten Daten wurden vom Archiv der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und von Dr. Klaus Volland im Archiv des Internationalen Roten Kreuzes überprüft. Auch Elfriede Bachmann hat die Angaben noch einmal geprüft.
Insgesamt sollen auf der Tafel die Namen von 41 ehemaligen Mitbürgern aufgeführt werden. „Berücksichtigt sind Juden, die in Bremervörde gelebt haben und zwischen 1933 bis 1945 Opfer der Verfolgung durch den NS-Staat wurden“, sagt Volland. „Juden wurden von den Nationalsozialisten prinzipiell als ,rassenbiologisch‘ minderwertig geächtet und deshalb politisch und gesellschaftlich ausgegrenzt.“

Von den 41 auf der Tafel genannten Juden wurden 22 vertrieben – überwiegend in die USA (19), außerdem in einem Fall nach Großbritannien und zwei vermutlich nach Shanghai. Zehn ehemalige Bremervörder starben in Auschwitz, Minsk, Riga, Theresienstadt und wahrscheinlich Treblinka.
Aufgeführt werden die Geburtsjahre der 41 jüdischen Mitbürger, dadurch werden Verwandtschaftsverhältnisse deutlich. Geplant ist, ihre Lebensgeschichte in einem begleitenden Faltblatt darzustellen.
Als Standort für die Gedenktafel wurde die Außenseite des Bremervörder Rathauses, unter dem Vorbau, ausgewählt. Alle im Verwaltungsausschuss vertretenen Fraktionen, also CDU, SPD, WG, Grüne und FDP, unterstützen das Vorhaben und bekunden damit, dass die Gedenktafel übereinstimmend als Angelegenheit aller Bremervörder betrachtet wird.
Sie sollen auch den wesentlichen Anteil an der Finanzierung tragen, heißt es in dem Konzept. Etwa 5 500 Euro betragen die Kosten für die Gedenktafel, die die Worpsweder Bronzegießerei Lothar Rieke herstellen soll. Da zur Einweihung am Jahrestag der Reichspogromnacht auch ehemals in Bremervörde lebende jüdische Familien eingeladen werden sollen, geht die Initiative von Gesamtkosten von etwa 10 000 Euro aus.
Wer sich mit einer Spende beteiligen möchte, kann den Betrag auf das Konto 600022203 bei der Postbank Hamburg (Bankleitzahl 20010020) einzahlen. Empfänger ist die Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel, das Kennwort lautet „Gedenktafel“. Der Verein stellt Spendenbescheinigungen aus.

Die 41 Namen auf der Gedenktafel
Albert Adler (*1905); Hulda Adler, geb. Blau (*1874); Julius Adler (*1878); Bernhard Blau (*1875); Bertha Blau, Geb. Baruch (*1849); Henriette Blau (*1879); Alice Heyn, geb. Israel (*1886); Frieda Fanny Heyn, verh. Berlin (*1883); Günther Heyn (*1909); Mathilde Heyn, geb. Eisenberg (*1854); Siegfried Heyn (*1882); Adele Leeser (*1876); Auguste Leeser, geb. Meyer (*1900); Henriette Leeser, verh. Rosenthal (*1875); Julius Leeser (*1884); "Merri Leeser, geb. Abraham (*1863); Ursula Leeser (*1924); Bella Leopold, geb. Eckstein (*1886); Erika Leopold (*1922); Hans Leopold (*1916); Max Leopold (*1879); Stephan Arno Leopold (*1912); Joseph Nathan (*1884); Lina Nathan, geb. Solmitz (*1883); Bertha Rebecka Salomon, verh. Lichtenstein (*1879); Emma Salomon, geb. Dessauer (*1882); Gertrud Salomon (*1921); Hans-Heinrich Salomon (*1924); Joseph Salomon (*1877); Sophie Salomon, verh. Struck (*1875); Walter Salomon (*1914); Adolf Solmitz (*1910); "Arthur Solmitz (*1914); Helene Solmitz, verh. Duden (*1917); Käthe Solmitz (*1905); Max Solmitz (*1879); Paula Solmitz, geb. Baum (*1886); Elfriede Spiegel, geb. Rosenthal (*1910) und Otto Spiegel (*1900).

 
     

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