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Bremervörder Anzeiger 15. September 2004
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Von Streit keine Rede Bremervörde (jb). An ihm führt in Sachen Gedenkstätte Sandbostel kein Weg vorbei:Ivar Buterfas. In der letzten Zeitwar es ruhig um den 73-Jährigen. Von Streit zwischen dem Gedenkstättenverein und seinem Ehrenmitglied ist hier und da die Rede. Doch davon wollen beide Seiten nichts wissen.Trotzdem: Im Gegensatz zumVerein will Buterfas die Straßenmeisterei weiterhin räumen lassen. „Hier saßen die Täter, und als solches muss das Gebäude auch gekennzeichnet werden",erklärt der Hamburger gegenüber dem ANZEIGER. Demgegenüber versichert Klaus Volland, dass die Gedenkstätte nicht an der Straßenmeisterei scheitern werde. „Wir klammern die Geschichte aus. Das ist Sache von Ivar Buterfas. Wir lassen ihm da freie Hand."Selbst Ivar Buterfas besteht nicht mehr auf eine Nutzung der Straßenmeisterei für Dokumentationszwecke. Doch gleichzeitig dürfe auch derLandkreis die ehemalige Kommandantur nicht länger belegen. „Diese Baracke muss leer und mit einer großen Informationstafel davor versehen werden." Darauf müsse dargestellt sein, „was sich einst in dem Gebäude abgespielt hat, dass Wehrmacht, Bewachungspersonal und in den letzten Kriegswochen auch die SS hier gelebt haben". In Kürze will Ivar Buterfas mit Landwirtschaftsminister Heiner Ehlen darüber reden. Hierbei soll auch der Denkmalschutz zur Sprache kommen. Mit dem Gedenkstättenverein konform fordert der 73-Jährige den Erhalt des Schutzstatus für alle Baracken auf dem Lagergelände. Die Untere Denkmalschutzbehörde müsse gewährleisten, dass keine Baracke abgerissen werde. Ivar Buterfas möchte darüber hinaus eine weitere Informationstafel auf der Kriegsgräberstätte installiert sehen. Diese soll Auskunft darüber geben, warum das ehemalige, von den Russen errichtete Monumentaldenkmal auf dem Friedhof in den 50er Jahren wieder gesprengt wurde. Trotz seiner Kritik sieht Ivar Buterfas die Sache auf dem richtigen Weg, unterstützt ausdrücklich die jetzt gefundene Lösung. In diesem Zusammenhang wiederholt der Hamburger Respekt und Hochachtung vor der Vermittlungsarbeit von Hans-Wilhelm Hastedt und Horst Rademacher. |
„Das ist genau das, was wir immer wollten“ Bremervörde (jb). Optimistisch blickt Klaus Volland, stellvertretender Vorsitzender des Gedenkstättenvereins, in die Zukunft. Aus Vereinssicht sei die Vereinbarung der Arbeitsgruppe grundsätzlich als Erfolg zu werten. „Das ist genau das, was wir immer wollten." Trotzdem gebe es noch einer Reihe von Details zu klären. „Alles Fragen, über die man sich einigen kann“, so Volland. Zum einen möchte der Verein das gesamte Lagergelände inklusive ehemaligem Lazarett und Friedhof als „Gedenkort“ verstanden wissen. In diesem Sinne sollten Führungen auf öffentlichen Wegen weiterhin möglich sein.Kritisiert wird ferner die derzeit noch mangelhafte Beschilderung von Lager und Kriegsgräberstätte. Letztere müsse korrekterweise als „Lagerfriedhof“ gekennzeichnet werden. Klaus Volland hält es außerdem für notwendig, vor der ehemaligen Kommandatur, in der heute die Straßenmeisterei des Landkreises Rotenburg untergebracht ist, eine Informationstafel zu installieren.Angedacht ist derzeit, ein oder zwei der noch stehenden Baracken für Dokumentationszwecke herzurichten. Klaus Volland favorisiert indes einen Neubau, übrigens ein Plan, den der Verein schon seit langem verfolgt.Über einige Dinge will der Gedenkstättenverein allerdings nicht diskutieren. So soll .der Denkmalschutz für alle Baracken auf dem Lagergelände bestehen bleiben. Als Folge davon dürfe keines der unter Schutz stehenderf Gebäude aktiv abgerissen werden. „Diese Punkte liegen nicht in der Verhandlungsmasse. Wir hoffen, dass die anvisierte Lösung daran nicht scheitern wird.“Offene Fragen gibt es auch in puncto Trägerschaft. „Gewisse Bedenken“ hegt Klaus Volland gegen die Errichtung einer Stiftung, die ihm „recht zeitaufwändig" erscheint. Er favorisiert vielmehr die Gründung eines neuen Vereins, wobei der Gedenkstättenverein als solcher erhalten bleiben und nicht in einem neuen Zusammenschluss aufgehen soll. Wie immer die Lösung aussieht: Der Gedenkstättenverein werde mit der Trägergesellschaft gut kooperieren, versichert Klaus Volland. Am 4. Oktober werden die Mitglieder des Gedenkstättenvereins auf einer internen Sitzung den Lösungsvorschlag der Arbeitsgruppe beraten.
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Schritt für Schritt voran auf dem eingeschlagenen Weg Sandbostel (jb). „Für den Gemeinderat ist es wichtig zu wissen, dass wir den eingeschlagenen Weg weiter gehen können." Sandbostels Bürgermeister Clement Poppe zieht ein durchweg positives Resümee der nichtöffentlichen Bürgerversammlung vom Dienstag voriger Woche.
In der Gaststätte „Zum grünen Jäger" hatten Hans-Wilhelm Hastedt und Horst Rademacher, Vermittler in Sachen Gedenkstätte, sowie Landwirtschaftsminister Heiner Ehlen die Einwohner des Ortes über den vor zwei Wochen der Öffentlichkeit präsentierten Lösungsvorschlag informiert. Von einer „alles in allem recht lebhaften, harmonischen Versammlung" spricht Clement Poppe. Im Grundsatz hätten sich die rund 70 anwesenden Bürger für den Lösungsvorschlag mit „einigen Vorbehalten" ausgesprochen. Diese will der Bürgermeister jedoch nicht weiter konkretisieren. Detailfragen müssten in der Arbeitsgruppe, und nicht in der Öffentlichkeit erörtert werden. Aus Gemeindesicht spreche insbesondere die Stiftungsidee für die Vereinbarung. Hierdurch könne die Gedenkstätte auf die gewünschte breite Basisgestellt werden. Ferner werde als wichtig erachtet, die Vergangenheit vor allem unter den Aspekten Versöhnung und Begegnung aufzuarbeiten.Der Sandbosteler Gemeinderat muss die Vereinbarung der Arbeitsgruppe noch beraten und beschließen. Dabei will man sich Poppe zufolge aber Zeit lassen. „Ich sehe noch keinen Handlungsbedarf für irgendwelche Beschlüsse. Zunächst müssen wir Schritt für Schritt vorankommen. Wenn es sich so weiterentwickelt wie jetzt, wird eine Gedenkstätte nicht an der Gemeinde Sandbostel scheitern. Da bin ich ganz optimistisch, denn uns ist sehr wichtig, dass wir nach mehr als 20 Jahren endlich eine einvernehmliche Lösung finden." |
„Die Sache darf nicht wieder im Sande verlaufen“ Bremervörde (jb). „An unserer Zuversicht hat sich nichts geändert. Der Kompromiss von Selsingen und die Bürgerversammlung in Sandbostel haben uns weiter ermutigt", sagt Horst Rademacher auch im Namen seines Vermittlungskollegen Hans-Wilhelm Hastedt gegenüber dem ANZEIGER. Die Herren wissen, dass es jetzt ans Eingemachte geht, eine Reihe offener Fragen gelöst werden müssen. Doch das schockt sie nicht. „Das Schlimmste was uns jetzt passieren kann ist, dass die Sache wieder im Sande verläuft", meint Horst Rademacher. Den „Kompromiss von Selsingen" bezeichnet er freimütig als „eine Lösung auf kleinstem gemeinsamen Nenner". Aber: „Hinter diese Linien wird sich niemand mehr zurückziehen können. Diese Vereinbarung kann als verbindlich angesehen werden. Der Standort ist jetzt klar." Ungelöst ist die Frage der Trägerschaft. Die Vermittler sind der Ansicht: „Träger der Gedenkstätte kann nur eine Stiftung sein". Dieses Thema wollen die Herren am 27. Oktober bei einem weiteren Treffen der Arbeitsgrupppe erörtern. Horst Rademacher weiß, dass es hierüber verschiedene Meinungen gibt. Das Vermittlungsteam ist aber zuversichtlich, die Arbeitsgruppe von den Vorteilen ihres Vorschlags überzeugen zu können. Unter anderem sollen die Gemeinde Sandbostel, der Gedenkstättenver ein, die Kirchengemeinde Selsingen, der Landkreis Rotenburg und andere Organsationen der Stiftung angehören. Der Denkmalschutz ist ein weiteres Thema mit Konfliktpotenzial. Es gehe dabei nicht um den Abriss von Baracken, viel mehr um die Frage, ob dem bestehenden Gewerbebetrieb auf dem Lagergelände Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden, so Rademacher. Eine schwierige Sache war, ist und bleibt die Finanzierung der Gedenkstättte. „Wir wollen das Land und den Landkreis in die Pflicht nehmen", versichert Horst Rademacher. Bei den Gesprächen in Hannvover mit Ministerpräsident Christian Wulff und den beiden Ministern Busemann und Ehlen seien den Vermittlern Landesmittel in Aussicht gestellt worden, über die Höhe der Zuschüsse habe man sich nicht festgelegt. „Wir werden die Sache nur in einzelnen Schritten realisieren können", gibt Rademacher sich keinen Illusionen hin. „Es wird nicht auf einen Schlag zu finanzieren sein, aber es ist zu finanzieren." Das Vermittlungsteam sieht indes auch die Gefahr des „Versandens". „Wir werden alles versuchen, am 29. April 2005, dem 60. Jahrestags der Lagerbefreiung, erste Schritte dokumentiern zu können." Von daher wünschen sich Hastedt und Rademacher mit einem nenneswerten Anfangskapital des Landes beginnen zu können. Als harter Brocken könnte sich die Forderung Ivar Buterfas' nach Räumung der Straßenmeisterei erweisen. Doch auch hier schwebt den Vermittlern ein Kompromiss vor: eine ausreichend große Informationstafel vor dem Gebäude bei allerdings weitergehendem Betrieb. Rademacher lobt ausdrücklich den Einsatz des 73-jährigen Hamburgers. Er habe in der Sache Gedenkstätte Entscheidendes bewegt. " "Uns ist sehr daran gelegen, weiter mit ihm im Gespräch zu bleiben und wir glauben, dass wir mit ihm im Sinne der Sache einen tragbaren Kompromiss finden werden." |