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Zwischen 1939 und 1945 waren mehrere Hunderttausend Kriegsgefangener
aus über 70 Nationen im Lager Sandbostel inhaftiert. Unter ihnen waren Persönlichkeiten
wie z.B. der Philosoph Louis Althusser, die Schriftsteller Gaston Aufrere,
Leo Malet ( sein bekanntestes Werk waren die Detektivgeschichten mit Nestor
Burma ) und Giovanni Guareschi, der Schöpfer der Romanfiguren Don
Camillo und Peppone. Auch der spätere Olympiasieger Wiktor Tschukarin
war Gefangener in Sandbostel.
Zehntausende Gefangene überlebten die Zeit ihrer
Gefangenschaft nicht. Sie starben an Hunger, Seuchen oder wurden ermordet.
Britische Soldaten verglichen das Lager kurz nach ihrer Befreiung mit
dem KZ Bergen-Belsen ; sie waren darüber, wie die Gefangenen behandelt
wurden, dermaßen entsetzt, dass ihr Befehlshaber plante mehrere
Dörfer im Umkreis des Lagers zu zerstören. Verhindert wurde
dies nur durch den Einsatz des damaligen Selsinger Pastors.
Wer die Bilder der Toten aus dem Lager gesehen hat, kann vielleicht die
Wut der Briten verstehen. Der Kriegsgefangene Sergej Litwin aus der Sowjetunion
-er war Schreiber in der Registratur des Lagers- berichtete später,
dass es auch Menschenversuche gegeben hat. So gab es Versuche mit Läusen
und Hungermitteln."Von den anderen Experimenten hatte ich keine
Ahnung, weil diese Baracke sehr stark bewacht wurde. Ich weiß nur
dass diese Versuchskriegsgefangenen später in andere Lager verbracht
wurden. Dieser Abtransport fand in aller Stille statt, und die sowjetischen
Schreiber registrierten ihn in keiner Liste."
Innerhalb des Lagers gab es eine von den Deutschen gewollte Hierarchie
unter den Gefangenen. An der Spitze standen Amerikaner und Briten, gefolgt
von den Franzosen und Belgiern, hinter ihnen Serben und Griechen. Ganz
am Ende dieser Hierarchie standen die Polen, Italiener und dann die sowjetischen
Gefangenen. Diese Hierarchie spiegelt auch wider, wie sie im Lager behandelt
wurden. Während die einen nach den Genfer
Konventionen behandelt wurden, verweigerte man den Sowjets und den
Italienern ihre Rechte. Sie konnten keine Pakete aus der Heimat empfangen
oder ihren Angehörigen mitteilen, dass sie noch lebten.
Das Leben im Lager war für die meisten Gefangenen geprägt von
der Hoffnung bald in die Heimat entlassen zu werden. Väter von großen
Familien oder schwerkranke Gefangene blieben meist nicht lange im Lager.
Sie wurden nach Hause geschickt. Diese Hoffnung konnten sich aber die
sowjetischen Kriegsgefangenen nicht machen. Sie wurden erbarmungslos ausgebeutet.
Bei niedrigster Kost mussten sie Schwerstarbeit leisten. Kleine Verstöße
wurden hart bestraft. Tausende von ihnen starben denn auch im Lager Sandbostel.
Aber auch Gefangene anderer Nationalitäten waren nicht sicher vor
Misshandlungen oder sogar dem Tod durch ihre deutschen Bewacher. So wurde
z.B. der italienische Oberleutnant Romeo am hellichten Tage beim Waschen
von einem Soldaten von einem Wachturm herunter erschossen oder der Feldwebel
Westphal, der mehrere Gefangene erschossen hatte, weil er sie ohne Ausweis
angetroffen hatte. Nachts kam es vor, dass die Wachposten grundlos in
die Baracken schossen.
Krankenversorgung
Es gab innerhalb des Lagers Krankenbaracken in
den verschiedenen Abteilungen. So gab es drei Baracken für durchschnittlich
300 bis 400 Kranke in der sowjetischen Abteilung, zwei bis drei Baracken
für die Franzosen, Belgier, Polen, etc., eine Baracke im Marlag und Ilag
sowie zeitweise eine Baracke für die Italiener.
Außerdem gab es außerhalb des Lagers das Reservelazarett X B mit über
1750 Betten. Versorgt wurden die Kranken unter anderem auch von Ärzten,
die sich unter den Kriegsgefangenen befanden. Die Kontrolle über
das Reservelazarett und die Krankenreviere hatte aber ein deutscher Chefarzt.
Das Reservelazarett war zuständig für alle bettlägerigen dienstuntauglichen
Kriegsgefangenen des Wehrkreises X.
Das Reservelazarett bestand aus mehreren massiven Krankenbaracken,
Pflegehäusern mit den sanitären Anlagen, einem Waschhaus, Küche und anderen
Gebäuden. Die medizinische Versorgung der Patienten wurde selbst von den
Gefangenen als gut bewertet. Obwohl auch hier wieder bemerkt werden muss,
dass die Krankenversorgung sicherlich nicht für alle Gefangenen gleichbleibend
gut gewesen war und auch nicht jeder Kranke eine notwendige medizinische
Versorgung erhielt.
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