KZ-Häftlinge im Lager
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Getrieben von ihren Bewachern erreichten im April 1945 Tausende Häftlinge aus dem KZ Neuengamme und seinen Außenlagern das Kriegsgefangenenlager Sandbostel.
Sie wurden in einem mit Stacheldraht umzäunten Teil des Lagers untergebracht, dem so genannten Marlag.
"Menschlicher Verstand wird niemals eine solch schreckliche Szene begreifen können wie jene, die meine....Augen heute Vormittag mit ansehen mussten. Es sind ungefähr 8000 politische Häftlinge angekommen. Überwiegend Mengen von skelettierten Kadavern....Die Überlebenden wirkten verloren und hatten nicht mehr das Aussehen von Menschen. Alle Nationalitäten, alle sozialen Kategorien. Hilfe zu bringen wäre in diesem Augenblick unmöglich und gefährlich gewesen. Eine von jenseits des Zaunes herübergeworfener Kartoffel ist Ursache eines wilden Kampfes, um in ihren Besitz zu kommen. Und es kamen immer mehr. Wenn sie die Waggons öffneten, waren mehr als die Hälfte tot. Von fünfzig Eingeschlossenen erreichten nur noch ein atmender Italiener und ein Russe das Ziel. Aus dem nichtigsten Anlass wurde scharf geschossen. Es ist die verfluchte SS. Sie töteten sogar diejenigen, die um die Toten weinen..." ( Pasa 1947 )

 
   
 

Über ihre Unterbringung schrieben Überlebende:"Im ganzen Lager gab es kein Bett, kein Bund Stroh, keine Decken, keine Essnäpfe und Bestecke. Sanitäre Anlagen fehlten vollständig. Es gab nur eine Baracke, die sich stolz `Revier` nannte, aber den Kranken konnte auch hier nicht geholfen werden. Medikamente und Verbände gab es nicht. Dafür aber furchtbar viel Ungeziefer: Läuse, Flöhe, Wanzen. (...) Fleckfieber und Ruhr herrschten hier. Die Latrine war ein entsetzlicher Bau. Alles schmutzig, und ein ekliger Gestank stieg uns in die Nase. Die Brillen waren von Ruhrkranken mit Blut beschmutzt. Hier war ein richtiger Seuchenherd."
Anfangs versuchten die Kriegsgefangenen nach Absprache mit der Lagerleitung den Deportierten zu helfen, aber mit dem Eintreffen von weiteren Evakuierungstransporten aus dem KZ Neuengamme wurde diese wohl einzige Versorgung der KZ-Häftlingen verboten und es galt von nun an Schiessbefehl gegen alle Kriegsgefangenen die sich dem Marlag näherten.
Wahnsinnig vor Hunger kam es auch zu Kannibalismus unter den Deportierten: " Ein hohlwangiger, ziemlich junger Bursche geht schluchzend an uns vorbei. Wir rufen ihn an, er ist Franzose. Langsam und vom Schmerz geschüttelt, der ihn zu überwältigen scheint, gesteht er uns sein Leid: Er war vor einigen Tagen von seinem Vater getrennt worden. Er hat ihn mit geöffnetem Brustkorb in einer Anhäufung von Leichen wiedergefunden :`Sie haben Papa gegessen".
Die Tausenden von KZ-Häftlingen waren praktisch sich selbst überlassen. Bis auf stundenlange Appelle ließen sich die deutschen SS-Wachen nicht blicken. Man wollte sie scheinbar verhungern lassen. Ein Befehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, an den Kommandanten des KZ Flossenbürg lautet denn auch:" ...Kein Häftling darf lebend in die Hände des Feindes fallen..."
In den frühen Morgenstunden des 20. April verließen die SS und Teile der Wachmannschaften zusammen mit einigen hundert KZ-Häftlingen das Lager und die Kriegsgefangenen konnten wieder den Deportierten Hilfe bringen. Die deutsche Lagerleitung erklärte sich einverstanden, dass sich von nun an die Kriegsgefangenen, unter Führung des Franzosen Marcel Albert, der Häftlinge annahmen.
Wenige Tage später wurde das Lager Sandbostel endgültig von den Engländern befreit.

 

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