Im nächsten Jahr geht`s los
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Bremervörder Zeitung 16. Dezember 2005
Lager-Stiftung: Im nächsten Jahr geht`s los
Stiftungsvorstand stellt nach Gespräch mit Landesbehörde für Denkmalpflege vorläufiges Nutzungskonzept vor
 

Von Thomas Schmidt

Sandbostel. Es ist einzigartig, was hier vor Ort an Vorarbeit geleistet wurde.“ Dr. Reiner Zittlau, Hauptkonservator und Referatsleiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Landesamt für Denkmalpflege, war am Mittwoch voll des Lobes für das große Engagement“ der Stiftung Lager Sandbostel. Im nächsten Jahr will die Stiftung mit ersten Sanierungsarbeiten auf dem Gelände beginnen. Der Stiftungsvorstand diskutierte am Dienstag unter Leitung des Vorsitzenden Hermann Luttmann gemeinsam mit Denkmalexperten die Bausubstanz des Lagers und stellte erste Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.

Nach Einschätzung von Luttmann kann bereits im nächsten Jahr mit der Begehbarmachung eines Gebäudes begonnen werden, und zwar der „Holzbaracke 3“. 25.000 Euro seien hierfür voraussichtlich nötig. Mittel- bis langfristig müsse nach Einschätzung der Stiftung und der Denkmalpfleger aus Hannover allerdings wesentlich mehr Geld investiert werden, um den weiteren Verfall der Gebäude zu verhindern. Luttmann sprach von „sechsstelligen Beträgen“. Ohne private Sponsoren und Mittel der öffentlichen Hand sei das kaum zu schaffen, sagte der Stiftungsvorsitzende, der auch stellvertretender Landrat ist. Er richtet seinen Blick in diesem Zusammenhang auch auf mögliche Fördergelder der EU. Diplom-Ingenieur Detlef Cordes, der in der Stiftung Mitglied der Bau- und Nutzungsarbeitsgruppe ist und auch dem Gedenkstättenverein angehört, stellte sein Gutachten über Bausubstanz und mögliche Nutzungsformen vor. Nach seiner Einschätzung kann der unterkellerte Bereich des ehemaligen Küchengebäudes gerettet werden - und zwar der östliche, zur Lagerkirche hin gelegenen Gebäudeflügel. Von den sechs Holzbaracken kann seiner Meinung nach nur eine mit vertretbarem Aufwand erhalten werden. Die „Baracke 3“ sei für relativ wenig Mittel nach Reparatur von Dach, Wänden, Fußböden, Fenstern und Türen für Besuchergruppen begehbar zu machen. Die fünf anderen Holzbaracken sollten nach Einschätzung von Cordes „dem Verfall überlassen werden“. Er plädiert dafür, lediglich die Giebel und Fundamente zu erhalten, damit die Lagerstruktur erkennbar bleibe. Um die ursprüngliche Optik des Lagers wiederherzustellen, sollte der Bewuchs entfernt werden, betonte Cordes weiter. Schließlich habe es im „Stalag XB" weder Baum noch Strauch oder gar Unkraut gegeben. Eine Dokumentationsstätte mit Bibliothek und Seminarraum in den ehemaligen Gebäuden zu errichten, hält Cordes für unwirtschaftlich. Sinnvoller sei es, hierfür ein neues Gebäude zu errichten. Als mögliche Nutzer nannte Cordes unter anderem den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Organisation Pro Europa, die Spirituelle Zelle des Kirchenkreises, den Gedenkstätten­ verein und die Geschichtsfreunde Sandbostel.

Fraglich ist zurzeit vor allem, ab der Gewerbebetrieb Oetjen aus dem Denkmalschutzgebiet herausgenommen wird. Auf einen entsprechenden Antrag der Gemeinde Sandbostel wiesen Gemeindebürgermeister Johann Gerken und sein Stellvertreter Holger Blank hin. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Dr. Zittlau vom Landesamt plädiert dafür, den Gewerbebetrieb nicht aus der Denkmalschutzzone herauszunehmen. Andernfalls drohe die Gefahr, dass das Gebiet „ausfranse“. Sein Mitarbeiter Dieter Renschler-Weissmann verwies in diesem Zusammenhang auf die in Deutschland einzigartige historische Bedeutung des Lagergeländes. Einschränkungen, die sich aus der Denkmalpflege ergeben, seien für einen Gewerbebetrieb „hinzunehmen“, sagt Dr. Zittlau mit Blick auf die grundgesetzlich garantierte Sozialbindung des Eigentums. Luttmann machte sich ausdrücklich für einen Ausgleich der Interessen von Denkmalschutz und Gewerbe stark. Er plädierte dafür, den Gewerbebetrieb „unter Berücksichtigung bestimmer Vorgaben“ zu unterstützen. Auch andere Gewerbetriebe müssten schließlich bei Investitionen Beschränkungen hinnehmen - zum Beispiel in Sachen Emissionsschutz.

„Der Betrieb braucht eine Perspektive. Ihn rauszunehmen, wäre am besten, aber wir kommen ja voran bei den Gesprächen“, gab sich Sandbostels Bürgermeister Johann Gerken zuversichtlich. Sein Stellver­treter Holger Blank verwies darauf, dass der Denkmalschutz ja erst „später dazugekommen“ sei. Viele Investitionen seien ja bereits getätigt und Denkmalschutz bedeute einen Wertverlust für das Unternehmen, gab er zu bedenken. In der Schwebe ist zurzeit ein Genehmigungsverfahren für den Bau eines Betriebsleiterhauses auf dem Gelände der Firma Oetjen. Denkmalschützer Dr. Zittlau gab sich angesichts dieser Einwände versöhnlich und machte deutlich, dass seine Behörde die „letzte Instituion sei, die die Zukunftsfähigkeit eines Gewebebetriebes“ behindern werde. Beispiele aus anderen Regionen zeigten, dass ein Miteinander von Denkmalschutz und Wirtschaftbetrieb möglich sei. Zittlaus Erfahrung: „Man kappelt sich und am Ende kommt ein Kompromiss heraus.“

Detlef Cordes von der Bauarbeitsgruppe der Lager-Stiftung erörtert die Bausubstanz auf dem Lagergelände und erste Vorschläge für ein Nutzungskonzept. Einzigartige Bedeutung für den Denkmalschutz: Hauptkonservator Dr. Reiner Zittlau (links) vom Landesamt für Denkmalpflege und sein Mitarbeiter Dieter Renschler-Weissmann (rechts).

 

 

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