Dmitry Lomonosov
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Bremervörder Zeitung vom 29. April 2003
 
„Höchstens vier Leute kamen an“
 
 
Ehemaliger Häftling Dmitry Lomonosov aus Russland in Sandbostel zu Gast (Foto)
 
 

Sandbostel/Bremervörde (zz/dh). Genau 58 Jahre werden am morgigen Mittwoch, 30. April, nach der Befreiung des Gefangenenlagers Stalag XB in Sandbostel vergangen sein. Eine lange Zeit, nach der sich der aus Russland stammende einstige Häftling Dmitry Lomonosov dazu entschloss, diesem Ort einen Besuch abzustatten.

Der jetzt 78-jährige Lehrer Lomonosov war mit seinen Kindern Katja und Andrej auf Einladung des Vereins Dokumentations-und Gedenkstätte Sandbostel gekommen und sah sich gestern am Bremervörder Bahnhof und der ebenfalls in der Ostestadt untergebrachten Dokumentationsstätte des Vereines um.

1944 war Dmitry Lomonosov in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Von einem Lager im polnischen Torn aus ging es zu Fuß zunächst an der Ostsee entlang und dann per Bahn westwärts. Als er jetzt wieder den Bremervörder Bahnhof sah, war Lomonosov sichtlich bewegt.
Klaus Volland führte die russischen Gäste durch die Räume der Dokumentations- und Gedenkstätte am Großen Platz in Bremervörde. Während seine Kinder einhellig sagten, dass ihr Vater lange Jahre nicht über die Zeit seiner Gefangenschaft gesprochen habe, war er jetzt umso gesprächiger.
Eine Menge Erinnerungen kamen zu Tage: Im Januar 1945 war es, als Lomonosov und Mitgefangene in Gruppen zu je 100 Leuten nach Deutschland kamen. Häftlinge, die nicht mehr gehen konnten wurden auf polnischer Seite erschossen. Westlich von Rostock brach Lomonosov zusammen. Am Ende seiner Kräfte angelangt, bat er darum, ebenfalls erschossen zu werden. Dieser ,Bitte' kamen die deutschen Bewacher allerdings nicht nach. Die Häftlinge wurden auf Eisenbahnwaggons gesetzt und nach Bremervörde gefahren. Höchstens vier der in Lomonosovs Waggon mitgefahrenen Häftlinge hätten überlebt. Per Lkw wurden die Gefangenen in das Stalag XB nach Sandbostel transportiert.

Die Visite bei der Dokumentationsstätte bildete den Auftakt eines mehrtägigen Aufenthalts: Nach einem Empfang durch die Gemeinde Sandbostel und einer Besichtigung des einstigen Lagergeländes und des Friedhofes, steht heute ein Empfang im Bremervörder Rathaus, ab 18 Uhr eine Kundgebung auf dem Lagergelände und ein Gottesdienst in der Lagerkirche auf dem Programm. Seine Erinnerungen hat Lomonosov übrigens auf der Internetseite www.ldbl.narod.ru in russischer und englischer Sprache sehenswert zusammengefasst.

 

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