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Sandbostel/Bremervörde (zz/dh). Genau 58 Jahre
werden am morgigen Mittwoch, 30. April, nach der Befreiung des Gefangenenlagers
Stalag XB in Sandbostel vergangen sein. Eine lange Zeit, nach der sich
der aus Russland stammende einstige Häftling Dmitry Lomonosov dazu
entschloss, diesem Ort einen Besuch abzustatten.
Der jetzt 78-jährige Lehrer Lomonosov war mit seinen Kindern Katja
und Andrej auf Einladung des Vereins Dokumentations-und Gedenkstätte
Sandbostel gekommen und sah sich gestern am Bremervörder Bahnhof
und der ebenfalls in der Ostestadt untergebrachten Dokumentationsstätte
des Vereines um.
1944 war Dmitry Lomonosov in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten. Von
einem Lager im polnischen Torn aus ging es zu Fuß zunächst
an der Ostsee entlang und dann per Bahn westwärts. Als er jetzt wieder
den Bremervörder Bahnhof sah, war Lomonosov sichtlich bewegt.
Klaus Volland führte die russischen Gäste durch die Räume
der Dokumentations- und Gedenkstätte am Großen Platz in Bremervörde.
Während seine Kinder einhellig sagten, dass ihr Vater lange Jahre
nicht über die Zeit seiner Gefangenschaft gesprochen habe, war er
jetzt umso gesprächiger.
Eine Menge Erinnerungen kamen zu Tage: Im Januar 1945 war es, als Lomonosov
und Mitgefangene in Gruppen zu je 100 Leuten nach Deutschland kamen. Häftlinge,
die nicht mehr gehen konnten wurden auf polnischer Seite erschossen. Westlich
von Rostock brach Lomonosov zusammen. Am Ende seiner Kräfte angelangt,
bat er darum, ebenfalls erschossen zu werden. Dieser ,Bitte' kamen die
deutschen Bewacher allerdings nicht nach. Die Häftlinge wurden auf
Eisenbahnwaggons gesetzt und nach Bremervörde gefahren. Höchstens
vier der in Lomonosovs Waggon mitgefahrenen Häftlinge hätten
überlebt. Per Lkw wurden die Gefangenen in das Stalag XB nach Sandbostel
transportiert.
Die Visite bei der Dokumentationsstätte bildete den Auftakt eines
mehrtägigen Aufenthalts: Nach einem Empfang durch die Gemeinde Sandbostel
und einer Besichtigung des einstigen Lagergeländes und des Friedhofes,
steht heute ein Empfang im Bremervörder Rathaus, ab 18 Uhr eine Kundgebung
auf dem Lagergelände und ein Gottesdienst in der Lagerkirche auf
dem Programm. Seine Erinnerungen hat Lomonosov übrigens auf der Internetseite
www.ldbl.narod.ru in russischer und englischer Sprache sehenswert zusammengefasst.
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