Auf den Spuren von Vater und Großvater
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Bremervörder Zeitung 16. Oktober 2006

Auf den Spuren von Vater und Großvater

Iren besuchen Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel
 

Bremervörde/Sandbostel (bz). Zum dritten Mal binnen einer Woche hatte die Dokumentationsstätte Sandbostel in Bremervörde internationalen Besuch: Nach einem ukrainischen Fernsehteam (BZ berichtete) und einer Besucherin aus Paris waren am Freitag Edward und Eamon O'Hara zu Gast, zwei Polizisten aus Dublin, die auf einer Vortragsreise über das Schicksal ihres Vaters beziehungsweise Groß vaters, Gerald O'Hara, berichteten.

Auf ihrer Vortragsreise, die von Dr. Katharina Hoffmann von der Universität Oldenburg organisiert wurde, besuchten Edward und Eamon O'Hara zunächst Oldenburg und Bremen. Am Donnerstag referierten sie vor Schülern der zwölften Klasse der Kooperativen Gesamtschule Tarmstedt. Anschließend wurden sie von Uwe Heitmann durch das ehemalige „Milag“ Westertimke geführt und verbrachten den Abend zusammen mit den „Freunden Europas“ in Hepstedt.Bei ihrem Besuch am Freitag in der Gedenkstätte in Bremervörde überreichte Dr. Klaus Volland, der stellvertretende Vorsitzende des Gedenkstättenvereins Sandbostel, den Gästen Akten, die er kürzlich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin erschlossen hatte. Sie beleuchten das Schicksal Gerald O'Haras in zahlreichen bisher nicht bekannten Einzelheiten.

Bürgermeister Eduard Gummich begrüßte die irischen Gäste im Namen der Stadt und betonte bei dieser Gelegenheit, dass die Stadt Bremervörde die Arbeit des Gedenkstättenvereins zu würdigen wisse und auch weiterhin unterstützen werde, zumal erkennbar sei, dass es seit der vom Verein mitgetragenen Gründung der Stiftung Lager Sandbostel wesentliche Fortschritte auf dem Weg zur Realisierung einer Gedenkstätte in Sandbostel gibt. An dem Empfang der irischen Gäste in der Bremervörder Dokumentationsstätte, die im früheren Gebäude der Polizei untergebracht ist, nahmen auch Norbert Müller und weitere Vertreter der Bremervörder Polizei teil. Der Gedankenaustausch unter „Kollegen“ wurden in der Polizeistation in der Ludwig-Jahn-Straße fortgesetzt. Nach der Führung in Sandbostel mit Dr. Volland wurden die Gäste und ihr Begleiter Bastian Spille, Assistent von Katharina Hoffmann, der Obhut von Heiko Kania übergeben. Kania ist ehemaliges Vorstandsmitglied des Gedenkstättenvereins und betreute die O'Haras auf ihren abschließenden Reisestationen Harsefeld und Hamburg. Die irischen Gäste bekundeten, dass sie in Deutschland überall sehr herzlich und aufmerksam empfangen worden seien, und luden dazu ein, die Kontakte durch Gegenbesuche in Irland zu vertiefen.

 
 
 
 
  Edward und Eamon O`Hara wurden am Freitag von Dr. Klaus Volland (Mitte) in der Dokumentationsstätte in Bremervörde begrüßt.  
 

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Das Schicksal Gerald 0`Haras

Gerald O'Hara aus dem westirischen Ballina fuhr auf britischen Handelsschiffen zur See, zuletzt als First Radio Officer auf der SS „Devon“. Diese wurde im August 1941 in der Nähe der Galapagos-Inseln von dem deutschen Hilfskreuzer „Komet“ versenkt. Gerald O'Hara wurde nach Deutschland gebracht. „O'Hara hielt sich vermutlich zunächst einige Wochen im Ilag (Internierungslager) des Stalag X B Sandbostel auf, ehe er an der Jahreswende 1941/42 ins Milag Westertimke verlegt wurde“, berichtet Dr. Klaus Volland von der Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel. Zu Beginn des Jahres 1943 zusammen mit 31 anderen Iren aus dem Lager Westertimke entlassen, habe O'Hara dafür gesorgt, dass die Iren sich weigerten, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen. Daraufhin wurden sie in das brutale Arbeitserziehungslager der Gestapo in Bremen-Farge eingewiesen. 1944 starb Gerald O'Hara in einem Bremer Krankenhaus.

 

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