Leserbrief von Werner Graf von Soden-Fraunhofen
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Bremervörder Zeitung 13. Juli 2004
 
Aufgemischt?
Zur Diskussion um die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen Lagergelände in Sand-bostel erreichte uns eine Zuschrift von Werner Graf von Soden-Fraunhofen aus Bremervörde:
 
 
Seit einiger Zeit häufen sich die Berichte in der BZ über die Kontroverse um eine würdige Gedenkstätte für die Opfer des Lagers Sandbostel. Eine zentrale Rolle spielt dabei neuerdings Herr Buterfas aus Hamburg, der unser Städtchen, die Lokalpolitiker und die Gemeinde Sandbostel richtig aufmischt. Allein in der Samstag-Ausgabe der BZ vom 10. Juli befassen sich vier ausführliche Artikel direkt oder indirekt mit dieser Angelegenheit und erregen die Gemüter vieler Bürger.
Der Streit zwischen der Gemeinde Sandbostel und dem Förderverein zur Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Lagers Sandbostel hat mit der Einbeziehung von Herrn Buterfas eine neue Dimension erreicht. Da wird ein moralischer Sturm auf den Ebenen von Gemeinde, Stadt Bremervörde, Landkreis und Land entfacht, der Ton im Umgang wird unversöhnlich und eine einvernehmliche Lösung, um die es angeblich allen geht, ist in weite Ferne gerückt. Das Problem ist fürwahr sehr vielschichtig, aber meiner Ansicht nach lösbar, wenn man das eigentliche Ziel im Auge behält und die Geschichte des Lagers berücksichtigt. Für die Toten und Überlebenden eine Gedenkstätte zu schaffen, ist sicher unstrittig, und der Ort, wo man der Toten gedenkt, kann doch nicht Gegenstand eines derart heftigen Streites sein. Die Kriegsgräberstätte ist zweifellos ein friedvoller und würdiger Ort, wunderbar von der Gemeinde und ihrem Gärtner gepflegt; hier könnte die Gedenkstätte ein stimmiges Ambiente finden. Ein gleichwertiges im Lagergelände zu schaffen, würde einen sehr großen Aufwand erfordern, den weder der Landkreis noch das Land derzeit leisten können. Warum kann man diese Gegebenheiten nicht zur Kenntnis nehmen?
Ich gewinne den Eindruck, dass es inzwischen gar nicht mehr um die Sache geht, sondern um die Profilierung beteiligter Personen. Und da spielt die Einbeziehung von Herrn Buterfas, der vom Gedenkstättenverein flugs zum Ehrenmitglied ernannt wurde, eine fatale Rolle. Weil der Verein nicht genügend Überzeugungskraft hat, bedient er sich einer prominenten Galionsfigur, die nun Promis und Presse in Bewegung setzt, damit der Landkreis die ausgebaute Baracke der Straßenmeisterei für ein Dokumentationszentrum hergibt. Woher das Geld für den Ersatz und die Umwidmung des Gebäudes, den Ankauf des in Privatbesitz befindlichen Geländes und die Herrichtung der verfallenen, unter Denkmalschutz gestellten Lagergebäude kommen soll (Dr. Volland: ,,Weltkulturerbe"(!) erhalten), spielt offenbar keine Rolle. Müsste es aber!
Man muss sich das einmal vorstellen: Da kommt aus Hamburg ein Herr Buterfas nach Sandbostel und spricht: so machen wir das! Heftet sich dazu den Judenstern und den Weltfriedenspreis an die Brust und sagt den Verantwortlichen, was Sache ist. Gleichzeitig betont er immer wieder, dass er an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sei; das kann ja nie schaden. Wer so auftritt, kann eigentlich nur Unverständnis ernten. Was soll die Staffage ausdrücken? Was Herr Buterfas damit bezweckt, weiß ich nicht; ich sage aber, wie es bei mir ankommt: Seht her, ich bin Holocaust-Überlebender, ich habe die Autorität, euch zu sagen, was ihr gefälligst zu tun habt! Ich meine, dass die Gemeinde-Vertreter Sandbostels die Geschichte des Lagers in eigener Regie und in vorbildlicher Weise aufgearbeitet haben und auf die Wegweisung durch Herrn Buterfas durchaus verzichten können.


 
     

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