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Unsere Stellungnahme zur Ratsentscheidung
der
Gemeinde Sandbostel vom 16. September ![]() |
| Klaus Volland 19.9.02
Die Gemeinde Sandbostel muss zurück ins Boot! Eine aktuelle Stellungnahme Im Januar 2002 hat der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel sein zehnjähriges Bestehen mit einem Festakt und einer wissenschaftlichen Tagung gefeiert. Im Anschluss daran haben sich Heiner Ehlen, Ludwig Althaus, Hans-Harald Fitschen sowie Landtagspräsident Rolf Wernstedt und Herbert Obenaus, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Gedenkstättenarbeit in Niedersachsen, besondere Verdienste dabei erworben, das festgefahrene Boot mit dem Ziel "Dokumentationszentrum Lager Sandbostel" wieder flott zu machen. Am 28. August unterbreitete die Gemeinde Sandbostel in einer Gesprächsrunde beim Landrat, an der außerdem die Samtgemeinde Selsingen und die evangelische Kirchengemeinde Selsingen, der Superintendent und der Gedenkstättenverein teilnahmen, das Angebot, ein gemeindeeigenes Grundstück auf dem historischen Lagergelände für Zwecke der Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Auf meine ausdrückliche Nachfrage hin wurde bekundet, dass man in der Gemeinde von dem zuvor favorisierten Standort auf dem Lagerfriedhof abgerückt sei. Dieses Angebot wurde von allen Anwesenden begrüßt, und wir vom Gedenkstättenverein waren guten Mutes, dass der historische Durchbruch nun geschafft war und dass jenes Boot nun in gemeinsamer Arbeit zügig Fahrt aufnehmen würde. Der 29. April 2005 als Tag der Eröffnung des Dokumentationszentrums erschien uns realistisch. Umgehend erstellten wir einen ersten Entwurf für dieses Gebäude auf dem im Konsens gefundenen Standort und leiteten ihn dem Landkreis zu. Gespannt warteten wir auf Rückmeldungen aus der Gesprächsrunde und auf die Einladung zu einem gemeinsamen Ortstermin. Durch die in den letzten Tagen erfolgte öffentliche Bekundung der CDU-Kreistagsfraktion und den Beschluss des Gemeinderats von Sandbostel, man befürworte eine schlichte, einfache Gedenkstätte auf dem Friedhof und lediglich eine Informationstafel auf dem historischen Lagergelände, erscheint es plötzlich so, als seien all diese Erwartungen, Vorarbeiten und Planungen wieder über den Haufen geworfen worden. Aber so kann es nicht laufen: Die Kreis-CDU und die Gemeinde Sandbostel müssen wieder zurück ins Boot! Sandbostel ist ein geschichtlicher Ort von internationaler, wenn nicht sogar weltgeschichtlicher Bedeutung (Landesarchäologe Dr. Haßmann), auf dem Gelände des Stalag X B befinden sich bauliche Überreste in einer Anzahl wie an keinem anderen vergleichbaren Lagerstandort im ehemaligen Reichsgebiet. Nicht nur die Verbände der überlebenden Opfergruppen, d.h. die Veteranenverbände der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge, fordern die Dokumentation und das Gedenken in würdiger Form am historischen Ort, so zuletzt auch Dr. Hans Engel, einer der Befreier des KZ-Lagers Sandbostel, oder die Amicale de Neuengamme von Belgien. Es darf nicht sein, dass die Stigmatisierungsängste einer kleinen Dorfgemeinde ein derart wichtiges und dringendes Projekt wie das Dokumentationszentrum auf dem Lagergelände in Sandbostel zum Scheitern bringen. Umgekehrt wird übrigens ein Schuh daraus: Die Erstellung eines angemessen gestalteten Dokumentationszentrums bietet der Gemeinde Sandbostel und der Region Chancen zur positiven Selbstdarstellung. Für eine "schlichte, einfache Gedenkstätte" auf dem Friedhof, die kein Lernort im Sinne aktiver, lebendiger und wissenschaftlicher Gedenkstättenarbeit mit Schulklassen und anderen Besuchergruppen sein kann, wird aus den Füllhörnen in Hannover und Berlin schlicht und einfach nichts abfallen. Die damalige Bürgermeisterin Greti Hildebrandt hat
am 1. September 2000 bei der Kundgebung nach der Schändung des Friedhofs
in Sandbostel (durch immer noch nicht gefasste Neonazis) mit Recht die
Verdienste der Gemeinde Sandbostel um die Völkerverständigung
durch ihre Dorfpartnerschaften mit dem französischen Danizy und dem
russischen Nowaja Derewnja hervorgehoben, und sie hat bei dieser Gelegenheit
ausdrücklich den Willen der Gemeinde zur Zusammenarbeit mit dem Gedenkstättenverein
bekräftigt. Wir erinnern uns gern an den Tag im Juni dieses Jahres,
als die Gemeinde Sandbostel und der Gedenkstättenverein gemeinsam
den ehemaligen russischen Kriegsgefangenen Nikolaj Misurev und seine Tochter
Natalia im Hüßelhus bei Kaffee und Butterkuchen empfangen haben.
Ebenso haben wir es sehr begrüßt, dass unsere - derzeit in
Bremervörde noch laufende - Ausstellung mit den Stalag-Bildern von
Tetjus Tügel kürzlich noch interessiert vom stellvertretenden
Bürgermeister von Sandbostel besucht worden ist. Deshalb appellieren
wir auch - trotz der schwierigen inzwischen entstandenen Situation - an
die Gemeinde Sandbostel , die Zusammenarbeit mit dem Verein fortzusetzen,
und wir hoffen nach wie vor, dass das Dokumentationszentrum auf dem historischen
Lagergelände bald, vielleicht tatsächlich am 29. April 2005,
als das Ergebnis der gemeinsamen Antrengung aller, die zur Mitwirkung
bereit sind, eröffnet werden kann. Dazu muss Sandbostel wieder ins
Boot! |