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Viktor Tschukarin
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Bremervörder Zeitung 10. Oktober 2006 |
Auf den Spuren eines guten Freundes |
Ukrainisches Fernsehen dreht Film über sowjetische Turnerlegende Viktor Tschukarin, der Kriegsgefangener in Sandbostel war Von Thomas Schmidt |
Bremervörde/Sandbostel. Auf den Spuren eines Freundes ist Farid Dosayev am Sonnabend nach Bremervörde und Sandbostel gekommen. Der ukrainische Sportjournalist macht für den russischen Fernsehsender „ NTV Sport" einen Film über die sowjetische Sportlegende Viktor Tschukarin (1922 - 1984), der als Kriegsgefangener 1941 ins Lager Sandbostel kam. Am Sonnabend begannen die Drehabeiten in der Bremervörder Dokumentationsstätte des Gedenstättenvereins und auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel. Es ist nicht nur berufliches Interesse, das Dosayev und sein Team nach Deutschland führt. Der Sportjounalist war mit Tschukarin befreundet. „Wir haben zusammen studiert", erinnert sich der Fernsehjournalist, der selber Leistungssportler war - wenn auch nicht so erfolgreich wie sein Freund. Tschukarin gilt als einer der erfolgreichsten Turner überhaupt. Seine Erfolge sind legendär (siehe Kasten). Nach Tschukarins Erfolgen bei den olympischen Spielen und Weltmeisterschaften hat er als Sportprofessor in Lemberg gearbeitet. In der jüngeren Generation verblasse die Erinnerung allmählich, wie Dosayev einräumt. Mit seinem Film will er dazu beitragen, dass die Sportlerlegende auch den Jüngeren wieder in Erinnerung gerufen wird. Ein wichtiges Kapitel in Dosayevs Film ist Tschukarins Zeit in deutscher Kriegsgefangenschaft, in die der 19-jährige Soldat 1941 geriet. „Er hat selten mit mir darüber gesprochen", erinnert sich der Journalist an seinen Freund. Über Tschukarins Zeit im Lager Sandbostel ist wenig bekannt. Von ihm liegt dem Gedenkstättenverein allerdings ein Zeitungsinterview vor, in dem er sich kurz vor seinem Tod 1984 an die Kriegsgefangenschaft erinnert hat. Darin heißt es: „Auch ich hatte mich als Landarbeiter ausgegeben und gemeldet, obwohl es hieß, wer lügt, wird erschossen. Ich konnte weder melken noch Gras mähen, und Frau Bruns, so hieß die Bäuerin, merkte es bald. Doch sie verriet mich nicht und schickte mich aufs Feld zum Rübenverziehen. Später kam ein deutscher Soldat. Ich erschak, doch es war der Sohn der Bäuerin. Er hatte Fronturlaub, und er war nicht gekommen, um nich abzuholen, sondern er half mir." Mit „Frau Bruns" meint Tschukarin „Frau Brüns", auf deren Bauernhof er in Cappel-Neufeld im Kreis Cuxhaven gearbeitet hat. So ist die Familie Brüns eine weitere Station bei den Recherchen des NTV-Fernsehteams, deren Film auch im nationalen Fernsehprogramm Russlands, NTV, ausgestrahlt werden soll. Die 82-jährige Tochter der Bäuerin, Leni Brüns, hat Dosayev versprochen, sein Fernsehteam bei den Dreharbeiten zu unterstützen. Dr. Klaus Volland, stellvertretender Vorsitzender des Gedenkstättenvereins Sandbostel, zeigte dem Fernsehteam am Wochenende das ehemalige Lager Sandbostel und die Dokumentationsstätte in Bremervörde. Tschukarin habe falsche Angaben über seine Fähigkeiten gemacht, so Dr. Volland, um einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft zu erhalten, in der man ja mit besserer Verpflegung rechnen konnte. „Grundsätzlich waren die Gefangenen des Stalag ja zur Arbeit verpflichtet (wobei man sich bei sowjetischen Gefangenen nicht an die Bestimmungen der Genfer Konvention halten zu müssen glaubte). Sie waren formell aber keine Zwangsarbeiter", sagt Dr. Volland zur BZ. Cappel- Neufeld war einer von hunderten von Orten im nordwestdeutschen Raum, an dem Kriegsgefangene aus dem Stalag X B eingesetzt wurden. „Arbeitsämter und die Arbeitsverwaltung des Stalag X B sorgten dafür, dass die jeweiligen Arbeitgeber, zum Beispiel ein Bauernhof, zu ihren Arbeitskräften kamen. So landete Tschukarin in Cappel-Neufeld", erklärt Dr. Volland. Sichtlich bewegt informierte sich Farid Dosayev über die Sandbosteler Zeit seines Freundes. „Ich bin sehr berührt", sagt er zur BZ, als er mit Dokumenten aus dem Lager konfrontiert wird, das in den letzten Kriegswochen auch als Auffanglager für das KZ Neuengamme diente. Die Bilder vom Lager seien erschütternd und schrecklich, kommentiert Dosayev einen Film, der von der britischen Armee kurz nach der Befreiung des Lagers gedreht und ihm von Dr. Volland gezeigt wurde. Es komme darauf an, dass die Leiden der Menschen nicht in Vergessenheit geraten, meint Dosayev mit Blick auf die Leichenberge und die ausgemergelten Überlebenden, die im Lager von den Briten gefilmt wurden. |
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